ENGL Fireball 100 Testbericht

ENGL Fireball 100 Testbericht

ENGL Fireball 100 (E635) + ENGL E412VS-BK

 

Seit einiger Zeit weckt in diversen Fachblättern und Magazinen ein neuer ENGL Amp die Aufmerksamkeit von Musikern und Fachwelt. Der heiße Wurf aus dem Hause ENGL ist ein 100 Watt 2 Kanal Vollröhren Amp.

 

Einige interessante technische Eckdaten lesen sich für den interessierten Musiker wie die Zutaten seiner Lieblingspizza.

 

Röhrenbestückung:

V1-V4: 4 x 6L6 GC selektiert

V5: ECC83/12AX7/7025, FQ-selektiert

V6,V7: ECC83/12AX7 selektiert

V8: ECC83/12AX7 standard

Ausgangsleistung: ca. 100W an 4. 8 oder 16 Ohm

Leistungsaufnahme: max. 300 Watt

Gewicht: 21 KG

Abmessungen (B/H/T): 71/27/27 cm

 

Verarbeitung und Aufbau

Der erste optische Eindruck ist vom allerfeinsten. Der ENGL Fireball 100 kommt komplett in schwarz gehüllt aus der Verpackung. Das ENGL Frontlogo wirkt in seinem Chromdesign äußerst ansprechend und verleiht dem „schwarzen Engel“ einen starken Kontrast.

Die Bedienelemente sind schlicht und selbsterklärend von links nach rechts rechts aufgebaut. Input, Clean Gain, und Lead Gain. Dannach folgt der Bright Switch für den Clean Kanal und der Bottom Switch (Anhebung der Bässe) für beide Kanäle.

Die 3 Band EQ Klangregelung Bass, Middle, Treble ist für beide Kanäle verantwortlich.

Weiter geht es mit dem Lead Volume dem Mid-Boost Schalter und dem Channel Switch.

 

Abschließend kommen noch Master A und Master B sowie Presence und eine Tube Monitoring Sektion. Auf der Rückseite findet man neben der Kaltgerätbuchse die Anschlüsse für 2 Fußschalter.

 

Einer um den Mid Boost ein bzw. ausschalten zu können und ein anderer um zwischen Clean und Leadkanal und Master A B umschalten zu können. Weiters befindet sich der Regler für das integrierte Noise Gate und die Anschlüsse für das Effektloop auf der Rückseite.

 

Die Beschriftung der Chickenheads ist gut lesbar und in gutem Kontrast zum schwarz lackierten Gehäuse. Die Metallecken schützen den Amp beim Transport und das sauber verklebte Tolex bietet ausreichenden Schutz.

Die Vorstufenröhren wurden mit Metallbügeln abgeschirmt und mit Schwämmchen gedämpft. Bärenkrallen sichern die Endstufenröhren welche sicherstellen, dass der Amp auch einen Transport auf rauen Landstraßen standhält.

 

Die Praxis

Kommen wir nun zum wesentlichen Teil den Tests.

 

Nach dem Einschalten richten sich 4 rote Leuchtdioden auf die Rückseite der 6L6 und tauchen die Röhren in ein diabolisches Rot.

 

Der Clean Kanal ist wunderbar dynamisch und bleibt bis zur 11 Uhr Stellung auch wirklich clean. Darüber hinaus wird der Ton leicht angezerrt und eignet sich hervorragend für Crunch und akzentuierte Rhythmus Sounds. Der Druck auf den Bright Schalter bringt den Amp in seiner Dynamik noch besser zur Geltung und lässt einen Glasklaren Ton mit ausgewogenem Bassanteil zu Tage treten. Der EQ arbeitet effektiv ist aber nicht überempfindlich. Auch radikalere Einstellungen an den Filtern lässt der Amp zu ohne dadurch Frequenzbereiche unangenehm werden zu lassen.

Der Lead Kanal arbeite schon im 8 Uhr Bereich in eine schöne Sättigung und liefert einen gut angezerrten Crunch Sound. Ab 9h ist bereits High Gain angesagt und bei 12h Uhr erreicht der Verstärker seine volle Kompression.

 

Darüber hinaus ist das Einschalten des integrierten Noise Gates angesagt.

 

Auch am Lead Kanal lassen sich mit Hilfe des EQ´s sehr interessante und gut klingende Sounds erzielen. Palm Mutes kommen mit dem richtigen Druck und Obertöne klingen prägnant und stilvoll ohne aufdringlich oder überbetont zu wirken.

 

Es wird sehr schnell klar, dass es sich beim ENGL Fireball 100 um einen Metal Amp handelt. Jedoch mit sparsam eingesetztem Gain lassen sich durchaus auch klassische Rocksounds erzeugen.

 

Der ENGL Fireball 100 bietet beim Betrieb mit dem Fußschalter zusätzlich die Möglichkeit

 

Die Master Lautstärken individuell unabhängig vom Kanal zu regeln.

 

Das hat den Vorteil, dass für den Livebetrieb noch zusätzlich ein Boost für Solis erzeugt werden kann.

 

Es sollte jedem klar sein, dass ein 100 Watt Amp nicht fürs Wohnzimmer gebaut wird.

 

Die gängige Meinung dass, 100 Watt Röhren Amps aber nur bei voller Lautstärke gut klingen kann ich bei diesem Verstärker nicht bestätigen. Der ENGL Fireball 100 klingt mit Master Volume auf 10 Uhr absolut gut und befindet sich noch in einem Bereich, in welchem durchaus geprobt und gespielt werden kann. Auf großen oder Open Air Bühnen kann der Amp sogar noch ein wenig lauter gefahren werden. Für einen guten Sound ist es aber nicht notwendig.

 

Wer sich für einen Vollröhren Verstärker mit hohen Qualitätsanspruch und solider Bauweise interessiert sollte den ENGL Fireball 100 in Kombination mit seiner Gitarre ausprobieren.

 

Preis- Leistung- und Qualität stehen hier in einem ausgewogenen Verhältnis.

 

Einmal mehr beweist unser Lieblingsnachbar, dass er nicht nur gute Autos sonder auch wirklich gute Verstärker bauen kann.